Handelskammer Bozen
Hard Noflatscher und Richard Maria Seebacher

Lektionen aus dem Unternehmensalltag

Aktivsenioren Südtirol
Datum:  April 2023

Die Mitglieder der Aktivsenioren Südtirol GmbH haben Jahrzehnte an Führungserfahrung und geben diese Betrieben weiter – ehrenamtlich und in Zusammenarbeit mit der Handelskammer.

Hard Noflatscher, Präsident der Aktivsenioren Südtirol GmbH und Richard Maria Seebacher kommen gemeinsam auf weit mehr als ein halbes Jahrhundert Erfahrung in Führungspositionen renommierter Unternehmen. Seebacher hat diese im Finanzbereich gesammelt, Noflatscher sowohl bei führenden Südtiroler Unternehmen als auch im Ausland. Beide leben nur wenige Kilometer Luftlinie voneinander entfernt: Noflatscher in Albeins, Seebacher in Teis.  

Herr Noflatscher, Sie sind nicht nur der Präsident der Aktivsenioren im Land, sondern auch einer der Initiatoren. Woher stammt die Idee zu dieser ungewöhnlichen Gesellschaft?
Hard Noflatscher: Die Idee, die Erfahrung von Führungskräften im Ruhestand den Unternehmen zugänglich zu machen, stammt aus Bayern. 1985 wurde dort Siemens umstrukturiert und dabei eine Reihe von Führungskräften frei, die sich zu einem Verein zusammengeschlossen haben. Seitdem bietet der Verein der Aktivsenioren Unternehmen eine Begleitung durch ehemalige Führungskräfte und hat mittlerweile rund 300 aktive Mitglieder. 

Was unterscheidet den Südtiroler Ableger von seinem bayerischen Vorbild?
Richard Maria Seebacher: Beginnen wir zuerst bei den Gemeinsamkeiten. Wie unser Vorbild in Bayern stellen wir unsere Erfahrung und unser Wissen in den Dienst von Unternehmen und wie in Bayern tun wir das ehrenamtlich. Was uns unterscheidet ist nur die Rechtsform: Während die Aktivsenioren in Bayern ein gemeinnütziger Verein sind, mussten wir – weil wir nicht genau in den neuen gesetzlichen Rahmen für den „Dritten Sektor“, also die Vereine gepasst haben – eine GmbH bilden. Für unsere Klient/innen ändert das allerdings nichts. 

Kommen wir zum Eingemachten: Was bietet die Aktivsenioren Südtirol GmbH Unternehmen konkret an?
Noflatscher: Wir stellen unsere Erfahrung und unser Wissen, das wir in Führungspositionen renommierter Unternehmen gesammelt haben, kleinen und mittleren Betrieben zur Verfügung, egal aus welcher Sparte sie stammen. Konkret geht es um eine Betreuung, eine Art Coaching in den unterschiedlichsten Bereichen. Das geht von der Existenzgründung über Unternehmen in Schieflage, Digitalisierung, Geschäftsmodellanalyse und Mitarbeiterentwicklung bis hin zu Führungsthemen und zur schwierigen Frage der Unternehmensnachfolge. Zugleich bieten wir unsere Netzwerke in Südtirol und Bayern an. 

Und wie läuft so etwas genau ab? Wie kann man sich Ihre Unterstützung vorstellen?
Noflatscher: Zuerst führen wir ein Eröffnungsgespräch, bei dem wir das Unternehmen und den spezifischen Bedarf kennenlernen. Dieses Gespräch ist unverbindlich, es zeigt uns nur, wo der Schuh drückt und ob eine spezifische Detailberatung notwendig ist, also eine Rechts-, Wirtschafts- oder Steuerberatung. In einem solchen Fall raten wir den Betrieben, sich an die jeweiligen Fachleute zu wenden. 

Und wenn es ein Thema ist, in das sich die Aktivsenioren einbringen können?
Seebacher: Dann analysieren wir das Problem, strukturieren es und zeigen einen Fahrplan zur Lösung auf. Oft kommen im Zuge dieser Analyse andere, neue Themen auf, die angegangen werden müssen. In jedem Fall geht es aber immer um eine Erfahrungs- und Wissensvermittlung durch altgediente Führungskräfte, die ihre vielseitige Lebens- und Führungserfahrung einbringen. 

Das geschieht künftig auch in Zusammenarbeit mit der Handelskammer. Wie schaut diese Zusammenarbeit aus der Praxis für die Praxis aus?
Noflatscher: Auch hier geht es darum, Erfahrung und Praxiswissen zugänglich zu machen. Wir tun das für den Anfang in einer Reihe von Veranstaltungen, in denen wir das Thema Unternehmensnachfolge aufrollen: von der Bewertung des Unternehmens über jene des Nachfolgers bzw. der Nachfolgerin bis zur Vermittlung zwischen Alt und Jung. Ähnliche Veranstaltungsreihen, aber auch Informationsblätter zu anderen Themen, werden folgen. 

Wie sieht es mit dem direkten, individuellen Kontakt aus?
Seebacher: Wir bieten künftig am Sitz und in den Filialen der Handelskammer kostenlose Sprechstunden an. Da kann jeder hinkommen, der glaubt, unsere Erfahrung könnte für seinen Betrieb nützlich sein. Noflatscher: Wir wissen, dass es einen Riesenbedarf gibt. Schließlich kennen wir die Wehwehchen der Unternehmen alle aus eigener Erfahrung.

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