Handelskammer Bozen
Der Online-Handel in Südtirol im Fokus

Der Online-Handel in Südtirol

Erhebung des WIFO

Das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hat untersucht, wie sich das Einkaufsverhalten der Südtiroler/innen, insbesondere durch die Covid- 19-Pandemie, verändert hat.

Nach wie vor ist das lokale Einzelhandelsgeschäft der übliche Einkaufsort für die Mehrheit der Südtiroler Konsument/innen, allerdings macht der Trend zum Online- Kauf auch vor Südtirol nicht Halt. Zwar sind den Südtiroler/ innen die negativen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen dieses Handelns durchaus bewusst, dennoch wollen sie aber nicht auf die aus ihrer Sicht klaren Vorteile beim Preis, der Erreichbarkeit oder der Produktauswahl verzichten.

Repräsentative Erhebung

Viele Studien zeigen, dass Jahr für Jahr immer mehr Konsument/innen im Internet einkaufen. Im Rahmen einer repräsentativen Erhebung befragte das WIFO der Handelskammer Bozen im Herbst 2021 700 Südtiroler/innen zu ihren Konsumgewohnheiten. Es stellte sich heraus, dass die Mehrheit der heimischen Bevölkerung nach wie vor im stationären Ein- zelhandel einkauft, allerdings mit deutlichen Unterschieden nach Produktbereichen. Während fast alle Südtiroler/innen ihre benötigten Lebensmittel ausschließlich im Geschäft erwerben, kauft bereits jede/r Dritte Produkte der Unterhaltungselektronik, Handys und Computer üblicherweise oder zum Teil online ein. Online-Shops von Südtiroler Händler/innen werden dabei nur selten genutzt.

Internetkäufer/innen nach Altersklassen

Geändertes Kaufverhalten

Wie stark sich das Einkaufsverhalten in den letzten Jahren, besonders durch COVID, geändert hat, zeigt die aktuelle Erhebung des WIFO. Im Jahr 2021 hat bereits mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Südtiroler Konsument/ innen - mehr oder weniger häufig - online eingekauft. Damit erreicht der langfristige Trend zum Online-Kauf einen vorläufigen Höhepunkt. Waren es im Jahr 2005 noch bescheidene 13 Prozent aller Konsument/innen, wuchs der Anteil in den nächsten zehn Jahren bereits auf 27 Prozent (Quelle ASTAT). Die Erhebung des WIFO zeigt, dass COVID-19 noch einen starken Schub zwischen 2020 und 2021 um nicht weniger als 15 Prozentpunkte mit sich brachte.

Selbstkritisch

Die Südtiroler/innen bewerten ihr Konsumverhalten durchaus selbstkritisch, auch weil ihnen regionale und nachhaltig erzeugte Produkte sehr wichtig sind. Entsprechend sind sich drei Viertel der befragten Konsument/ innen der Auswirkungen des Einkaufens außerhalb Südtirols auf die lokale Wirtschaft und Gesellschaft bewusst und schätzen diese mehrheitlich als negativ ein. Einige Konsument/innen heben allerdings auch mögliche positive Wirkungen hervor. So könnte laut ihrer Meinung die Konkurrenz im Online-Handel die heimischen Einzelhändler/innen antreiben, ihr Angebot zu verbessern. Verbessertes Angebot Wie das Angebot verbessert werden könnte, zeigen die Vorschläge der befragten Konsument/ innen. Da der Preis zu den besonders einkaufsrelevanten Faktoren zählt, wünschen sich folgerichtig drei Viertel der Südtiroler Konsumenten günstigere Preise. Rund die Hälfte fordert mehr und günstigere Parkmöglichkeiten bzw. eine bessere Erreichbarkeit der Geschäfte sowie eine größere Auswahl beim Produktsortiment. Besonders die jüngeren Konsument/ innen wünschen sich häufig auch ein größeres Angebot an Online-Shops von Seiten der heimischen Händler/innen.

Das Einkaufsverhalten hat sich in den letzten Jahren stark verändert.

Auch zukünftig attraktiv bleiben

Auch wenn für den Südtiroler Einzelhandel die Ausgaben der Touristen eine große Rolle spielen, ist die Meinung der Südtiroler Konsument/innen natürlich wesentlich für die zukünftige Gestaltung und Verbesserung des Angebotes. Der Trend zum Online- Einkauf setzt sich weiter fort und durch COVID-19 hat er nochmals einen deutlichen und wahrscheinlich auch nachhaltigen Schub erhalten. Diese Entwicklung wird für die Südtiroler Einzelhändler/ innen immer mehr zu einer Herausforderung, welcher sie sich stellen müssen, um auch in Zukunft attraktiv zu bleiben.

Der WIFO-Kurzbericht „Der Südtiroler Einzelhandel und die Covid- 19-Pandemie – Die Sicht der Konsument/innen“ steht zum Download bereit.

Maßnahmen zur Stärkung des Südtiroler Einzelhandels

  • Stärken des stationären Handels betonen
    Auf Preiswettbewerb verzichten, dafür die Stärken im Vergleich zum reinen Online-Handel bzw. zum Kauf außerhalb von Südtirol betonen.
  • Einzelhändler digital fitter machen
    Immer mehr Konsument/innen aller Altersgruppen wünschen sich digitale Angebote. Ein eigener Online-Shop könnte, wo sinnvoll und möglich, eine interessante Erweiterung des Angebotes sein.
  • Vorteile beider Welten kombinieren
    Die Kombination zwischen stationärem Handel und digitalen Angeboten könnte für den Südtiroler Einzelhandel eine Chance darstellen. Die Konsument/innen möchten die Vorteile beider Welten (stationär und online) genießen.
  • Entwicklung von Dörfern und Städten
    Entscheidungsträger sollten sich bewusst sein, dass Südtirols Dörfer und Städte dafür sorgen, dass sich in Zukunft sowohl junge Familien als auch Unternehmen dort niederlassen und Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung schaffen.
  • Erreichbarkeit verbessern
    Es gilt, die Schwelle für die Erreichbarkeit der stationären Geschäfte noch weiter zu verringern, z.B. durch eine bessere Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mehr Parkmöglichkeiten vor Ort oder einem Erlass der Parkgebühren. Zudem bedarf es klarer Richtlinien für den Online-Handel.
  • Bewusstsein für Auswirkungen des Einkaufsverhaltens erhöhen
    Es lohnt sich, die Konsument/ innen noch stärker über die Folgen des Einkaufens außerhalb Südtirols aufzuklären. Für die Städte und Dörfer gäbe es nämlich ernste Konsequenzen, wenn die Nahversorgung nicht mehr gesichert wäre.
  • Fairen Wettbewerb sicherstellen
    Es braucht nationale und internationale Regelungen, die garantieren, dass die großen internationalen Online-Anbieter den gleichen Wettbewerbsbedingungen unterliegen wie die lokalen Einzelhändler/innen.

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