Handelskammer Bozen
Carla Maria Grazia Laurino

Carla Maria Grazia Laurino

Wer Gutes sät, wird Gutes ernten

Carla Maria Grazia Laurino führt ein Bekleidungsgeschäft und arbeitet auf zwei Wochenmärkten. Wir haben mit ihr über die Leidenschaft für den Handel gesprochen, die viel gibt, oft aber auch einiges abverlangt.

Wie entstand die Kaufleute-Tradition in Ihrer Familie?
Carla Maria Grazia Laurino: Dazu müssen wir eine Zeitreise in die Jahre des Zweiten Weltkriegs unternehmen. Meine Großmutter mütterlicherseits hatte eine Schneiderei mit vier Angestellten. Sie war gelernte Schneiderin und fertigte Kleider für die Grande Dame. Im Jahr 1947 erhielt die Familie von der Gemeinde Algund die erste Marktlizenz für den Verkauf von Kleidern und Faltenstoff.

Und seither haben die Frauen der Familie nie mehr aufgehört...
Ganz genau. Zu meiner Großmutter gesellte sich meine Mutter, eine ausgebildete Kürschnerin und dann war ich an der Reihe.

Wie hat Ihre Karriere begonnen?
Im Alter von 15 Jahren begann ich, meiner Mutter auf sechs Wochenmärkten in ganz Südtirol zu helfen. Seitdem habe ich alles darangesetzt, mit Respekt fortzuführen, was meine Vorgängerinnen aufgebaut haben. Mit meiner Schwester Laura leite ich seit 30 Jahren ein Bekleidungsgeschäft in Kurtatsch. Seit 1991 arbeite ich selbstständig - und somit alleine auf mich gestellt - auf zwei Wochenmärkten.

Alleine, wirklich?
Ja, mein Leben war immer ein Leben der Entbehrungen, aber aus vollem Herzen gelebt. Wenn man eine Arbeit mag, macht man sie gerne und man fühlt sich weniger müde.

Mit welchen Schwierigkeiten sehen Sie sich konfrontiert?
Körperliche Anstrengung, verschiedenste Wetterbedingungen und die Unmöglichkeit, Pausen einzulegen – das kennzeichnet den Wanderhandel. Glauben Sie nicht, diese Arbeit nur zu machen, um einen Lohn nach Hause zu bringen. Man muss von einer großen Leidenschaft angetrieben werden und wissen, was Aufopferung heißt.

Carla Maria Grazia Laurino vor dem Bekleidungsgeschäft in Kurtatsch

Was bedeutet Ihnen der Wanderhandel?
Es ist mein Leben, die Tätigkeit, in die ich mein Herzblut stecke, in der ich Gutes säen kann. Traditionell suchen die Menschen nach Märkten, sie brauchen sie. Es sind Orte der Zusammenkunft, des Austauschs und des sozialen Lebens. Trotz der Veränderungen, die der Wanderhandel im Laufe der Jahre erfahren hat, ist der Markt auch heute noch ein einzigartiges Erlebnis.

Die größte Genugtuung dabei?
In der Lage zu sein, den Kund/innen zuzuhören, sie zu verstehen und zufrieden zu machen und für sie über viele Jahre einen sicheren Bezugspunkt darzustellen.

Was halten Sie vom Online-Shopping?
Für unsere Gesellschaft ist das keine gute Wahl. Wir haben eine große Verantwortung gegenüber künftigen Generationen. Die Schließung der Geschäfte vor Ort zugunsten des Online-Handels ist keine Lösung. Fortschritt ist nur dann gut, wenn er Verbesserungen mit sich bringt, nicht aber, wenn er dazu führt, dass der Handel aus der Nachbarschaft verschwindet oder die Händler/innen unter der Last der Steuern zusammenbrechen.

Sie sind sozial sehr engagiert, wie kommt das?
Wer Gutes sät, wird Gutes ernten. Ich stelle mich anderen zur Verfügung und gewinne daraus großen persönlichen Nutzen.

Info

Carla Maria Grazia Laurino vertritt die dritte Generation von Handelstreibenden in ihrer Familie, die seit über 70 Jahren ununterbrochen eine Lizenz für den Wanderhandel besitzt. Man trifft sie auf zwei Wochenmärkten an, zudem führt sie gemeinsam mit ihrer Schwester ein Bekleidungsgeschäft in Kurtatsch. Im Jahr 2015 übernahm sie das Amt der Präsidentin des Tourismusverbandes Unterland und blieb fünf Jahre lang im Amt. 2016 wurde sie von der Handelskammer Bozen mit einer Goldmedaille für den wirtschaftlichen Fortschritt ihres Betriebes ausgezeichnet. Sie ist Ortsreferentin des hds für die Gemeinde Kurtatsch und hat im Laufe der Jahre wichtige Funktionen in Vereinen und bei ehrenamtlichen Tätigkeiten in Südtirol übernommen.

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