Handelskammer Bozen
Barbara Prinoth

Barbara Prinoth Gasser

Die Tüchtige

Die 39-jährige Barbara Prinoth Gasser ist als dreifache Mutter, Vollerwerbsbäuerin und Gastgeberin am Messnerhof in St. Georgen oberhalb von Bozen vielfach gefordert.

Wofür sind Sie am Hof zuständig?
Barbara Prinoth Gasser: Ich bin ständig damit beschäftigt, die Abläufe zu verstehen und zu optimieren, muss wissen, was wann zu tun ist. Ich bringe mich in der Familie ein, bin für die Gäste da, putze die Zimmer, kümmere mich um den Hausgarten, arbeite im Weinberg und im Obstgarten. Die Arbeit macht mir Freude, auch wenn sie anstrengend ist. Obwohl meine Eltern bereits 80 Jahre alt sind, arbeiten sie engagiert mit.

Wo sind Sie als Frau besonders gefordert?
Eine Frau muss mehrschichtig denken, vielseitig und belastbar sein. Man kann vieles lernen, wenn man will. Als Bäuerin bin ich Allrounderin, muss wirtschaftlich denken können, die Fäden in der Hand halten, ständig überlegen und abwägen. Zwischen den Generationen gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Im Familienbetrieb bin ich gefordert, auch intern zu überzeugen, den Partner, die Eltern und Kinder in Entscheidungen einzubinden. Dafür braucht es Weitblick.

Haben Ihre Eltern Sie immer unterstützt?
Mein Vater schätzt meine Arbeit und sagt oft, dass ich mindestens genauso arbeite wie ein Mann. Er ist mit meinen Veränderungen am Hof mitgegangen. Er freut sich, wenn mir etwas gelingt. Lange war er der Entscheider, heute ist er froh, dass ich den Hof führe.

Was ist das Wichtigste am Hof?
Der familiäre Zusammenhalt ist das Um und Auf. Seit 2019 arbeitet mein Mann, ein Zimmermann, auf dem Hof mit. Wir planen gemeinsam und arbeiten zusammen. Ich würde mich freuen, wenn eines unserer Kinder den Hof irgendwann übernimmt.

Was machen Sie am liebsten?
Ich mag die Arbeit im Weinberg, das Zupfen und Entlauben, bin aber auch gerne im Gemüsefeld und im Garten. Ich freue mich über die schönen Produkte und merke, dass Fleiß sich rentiert. Ausgleich finde ich bei den Gästen.

Wie wichtig ist da die Weiterbildung?
Das unternehmerische Denken hört nie auf. Die Digitalisierung hat uns sehr herausgefordert. Veränderungen sind unumgänglich und Stehenbleiben bedeutet Rückschritt. Weiterbildung ist daher immer notwendig.

Der Messnerhof befindet sich in St. Georgen oberhalb von Bozen.

Wo schalten Sie ab?
Das kann ich, wenn wir sonntags wandern gehen oder einmal im Jahr für drei Tage wegfahren.

Was wünschen Sie anderen Frauen?
Mut, Eifer, Ehrgeiz, Freude am Tun, Lernbereitschaft, Selbstbewusstsein und Offenheit bringen weiter. Seid überzeugt von dem, was ihr tut, steht über dem, was andere über euch sagen, bleibt euch treu.

Sie arbeiten im Bäuerinnen-Ausschuss von Gries mit. Was motiviert Sie dazu?
Ich möchte Bäuerinnen stärken und treffe mich gerne zum Austausch mit Gleichgesinnten. Wir beteiligen uns an der Organisation der Erntedankprozession, arbeiten beim Landesbäuerinnentag mit, organisieren Bergwanderungen, Wattturniere, Weiterbildungen und Tagesfahrten.

Wie hat Corona Ihren Hof getroffen?
Wir konnten Gott sei Dank in der Landwirtschaft immer arbeiten, haben eine Neuanlage aufgestellt und sind nur wegen wichtiger Einkäufe in die Stadt gefahren. Wir produzieren ja vieles selber am Hof. Hart getroffen hat es die Weinwirtschaft, weil die Gäste fehlten. Auch die Gäste in den Ferienwohnungen sind weniger geworden. Gut, dass sich jetzt die Situation normalisiert hat.

Info

Barbara Prinoth Gasser ist 1982 geboren und am Messnerhof in St. Georgen oberhalb von Bozen als jüngstes von fünf Mädchen aufgewachsen. 2014 hat Barbara Prinoth Gasser den elterlichen Hof übernommen. Heute bietet sie ihren Gästen im hofeigenen Verkaufslokal hausgemachte Säfte und Marmeladen an. Seit 2019 arbeitet ihr Mann Stephan am Hof mit, gemeinsam bewirtschaftet das Paar 3,5 Hektar Reben und einen halben Hektar Obstbau. Barbara Prinoth Gasser hat zwei Söhne (17 und 12 Jahre) und eine Tochter (15 Jahre).

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