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Maria Isabella von Bourbon

Maria Isabella von Bourbon

Besuch in Bozen

Im Merkantilmuseum nehmen Frauen eine Hauptrolle ein. Auf vielen Gemälden sind Frauen zu sehen: Prinzessinnen, Kaiserinnen und Ehefrauen, oder allegorische Gestalten wie die Gerechtigkeit, und viele mehr. Eine der wichtigsten und bekanntesten Persönlichkeiten ist sicher Claudia de’ Medici, Erzherzogin von Österreich; 1635 gewährte sie Bozen eine Marktordnung und errichtete den Merkantilmagistrat. Heute wollen wir jedoch eine andere Frau kennenlernen, die vielleicht weniger bekannt, aber genauso interessant ist, vor allem in Verbindung mit ihrer Hochzeit und einem Besuch im Merkantilgebäude: Maria Isabella von Bourbon.

Die Infantin Isabella wurde 1741 in Madrid als Tochter von Philipp von Bourbon, Herzog von Parma, und Louise Elisabeth, Erstgeborene von Ludwig XV., König von Frankreich, geboren. Vom spanischen Hofe, an dem sie anfangs lebte, kam sie 1749 nach Parma. Während ihrer Aufenthalte in Versailles genoss sie eine hohe Ausbildung und vertiefte vor allem die literarischen und wissenschaftlichen Fächer und ihre große Leidenschaft für die Musik. Es ist wohl kein Zufall, dass sie damals - als Hochzeiten noch angebahnt und vereinbart wurden - von der österreichischen Kaiserin Maria Theresia als Ehefrau für ihren Sohn und zukünftigen Kaiser Erzherzog Joseph auserwählt wurde, um so den Bund zwischen den Habsburgern und den Bourbonen zu besiegeln.

Die Trauung erfolgte per procurationem (per Stellvertreter) in Parma am 13. September 1760. Um ihren Gemahl in Wien zu erreichen, musste Isabella eine lange Reise antreten. In einer Chronik von 1760 finden wir eine sehr ausführliche Beschreibung dieser wunderbaren, aber auch sehr mühsamen Reise der neuen Erzherzogin und ihres langen Gefolges. Wo auch immer die Prinzessin mit ihrem Begleiter Fürst Josef Wenzel von Liechtenstein und den anderen Würdenträgern Halt machte, wurde sie von den lokalen Behörden und Bürgern festlich empfangen, mit Festen, Abendessen, Bällen und Schauspielen. Isabella und ihre Gesellschaftsdamen waren zu diesen Anlässen in prächtigen Palästen zu Gast, die von hohen Amtsträgern oder den adeligen Familien der Stadt zur Verfügung gestellt wurden.

Nachdem sie durch das Herzogtum von Mailand, Mantua, Verona und Trient gezogen war, traf Isabella schließlich am 19. September in Bozen ein, wo sie von der Musikkapelle und Kanonenschüssen empfangen wurde. Zu Gast war sie im Palast des Grafen Sebastian von Trapp, immer in Begleitung von Fürst Liechtenstein, unter dem die Schützen Wache schoben. Der Stadtrat veranlasste - wie für königliche Empfänge üblich - die Beleuchtung der Stadt mit Kerzen an den Hausfenstern entlang der Strecke zwischen Franziskanern und Dominikanern über die Laubengasse und den Musterplatz. Der wahre Höhepunkt war jedoch in der Silbergasse zu sehen: Das Merkantilgebäude erstrahlte im Schein von über 3.000 Kerzen. Zu Ehren der neuen Erzherzogin wurde ein großes Fest organisiert, und aus der Chronik wissen wir, dass auf den Straßen Musik in Anwesenheit vieler Adelige, Kaufleute und Pilger ertönte. Auf dem Balkon des Merkantilgebäudes wurde ein Baldachin mit drei Porträts errichtet: In der Mitte die Kaiserin, seitlich die beiden Brautleute, im unteren Teil der österreichische Adler mit der kaiserlichen Krone.

Anschließend setzte Maria Isabella ihre Reise über das Pustertal fort. Am 6. Oktober hielt sie schließlich in Wien Einzug. Nach der Segnung der Brautleute in der Kirche der Augustiner-Barfüßer begannen die Hochzeitsfeierlichkeiten, die ganze 10 Tage anhielten.
Das Merkantilmuseum bewahrt im Gedenken an die Hochzeit und die Ankunft der Prinzessin in Bozen eine Radierung mit dem beleuchteten Merkantilgebäude sowie die Porträts von Maria Isabella und Joseph II. im Ehrensaal auf.

Bibliografie: Paola Bassetti Carlini, Maria Isabella von Bourbon. Die Reise einer Braut von Parma bis zum Wiener Hof, in Die Brennerroute. Eine europäische Verbindung zwischen Mittelalter und Neuzeit, Heft 9 Merkantilmuseum, Bozen, HK, 2018

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